Themenportal „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.): Newsletter 07/2020

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Hannes Siegrist, Universität Leipzig

Newsletter 07/2020 des Themenportals „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.)

Liebe Leserinnen und Leser von H-Soz-Kult,

nachfolgend finden Sie eine Aufstellung der zuletzt neu ins Themenportal Europäische Geschichte eingestellten Artikel, Essays, Materialen und Quellenauszüge.

Essay/Artikel:

Hannes Siegrist, Thomas Höpel: Politische und gesellschaftliche Funktionen von Kunst in Europa (19.–20. Jahrhundert).
Abstract:
Der vorliegende Band ist ein Studien-und Lehrbuch über den politischen und gesellschaftlichen Gebrauch von Kunst in Europa im 19. und 20. Jahrhundert. Die Geschichte der Herstellung, Vermittlung, Verbreitung, Rezeption und Nutzung künstlerischer Werke und Ausdrucksformen wird in die Geschichte der europäischen Gesellschaften und Kulturen sowie politischen und wirtschaftlichen Systeme eingebettet. Im Unterschied zu traditionellen Nationalgeschichten behandeln wir die Dynamik des künstlerischen Feldes stärker auch im Rahmen grenzüberschreitender Austauschprozesse und Beziehungen. Ausgangspunkt ist die These, dass die Entwicklung der Künste und des künstlerischen Feldes in Europa in den letzten zwei Jahrhunderten ganz wesentlich durch die Spannung zwischen Prozessen der Nationalisierung, Internationalisierung und Transnationalisierung bestimmt war. Das Verhältnis zwischen diesen teils alternativen, teils komplementären Symbolisierungs-, Institutionalisierungs- und Organisationsstrategien bestimmte auch die Funktionen und Bedeutungen von Kunst in Prozessen der Europäisierung und De-Europäisierung sozialer, politischer und kultureller Ordnungen. (…)
In: Themenportal Europäische Geschichte, 2020, <https://www.europa.clio-online.de/sites/europa.clio-online/files/documents/B2020/E_Siegrist_Hoepel_Kunst.pdf>.

Jan Logemann: Transatlantische Perspektiven: Europabewusstsein in Exil und Remigration, 1930er -1950er.
Abstract:
Rückblickend auf sein Exil in den USA schrieb der Soziologe und Gesellschaftstheoretiker Theodor W. Adorno im Jahr 1950 über seine Rückkehr über den Atlantik ein Jahr zuvor. Der Remigrant Adorno fand eine „Kultur in Trümmern“ vor und ein von Stagnation geprägtes Geistesleben. „Diese Erfahrung“, schreibt er, „beschränkt sich keineswegs auf Deutschland. Sie betrifft jenes Europa, das dem aus Amerika Zurückkehrenden so rätselhaft zur Einheit sich zusammendrängt.“ Es ist daher eine „europäische“ Gesellschaft, die Adorno aufruft, ihre Nachkriegs-„Starre“ zu überwinden, um nach Visionen einer freien und „versöhnten“ Menschheit zu streben. Er denke dabei, so schreibt er weiter, auch an „die Beseitigung der europäischen Landesgrenzen“, die an der Zeit sei. Im Zentrum von Adornos kurzem Essay stand eigentlich die „Auferstehung“ des Kulturlebens in Deutschland in der Nachfolge des Nationalsozialismus, doch es waren diese kurze Randbemerkungen zu Europa, die etliche Jahre später den Aufhänger zu einem ausführlichen Gespräch zu „Europa nach der Emigration“ im Hessischen Rundfunk bildeten, das hier als Tonquelle wiedergegeben ist. (...)
In: Themenportal Europäische Geschichte, 2020, <https://www.europa.clio-online.de/essay/id/fdae-29053>.

Caroline Rothauge: Zur Einführung der „Mitteleuropäischen Zeit“ im Deutschen Kaiserreich 1893. Temporale Transformationsprozesse in verflechtungsgeschichtlicher Perspektive.
Abstract:
Die Kritik an der Zeitumstellung ist mittlerweile wieder verbreitet, wie eine von der Europäischen Kommission im Juli und August 2018 durchgeführte öffentliche Konsultation ergab. So intensiv teilweise über Vorzüge von Sommer- oder Winterzeit debattiert wird, so selten wird grundsätzlich reflektiert, an welcher historisch gewordenen amtlichen Zeit wir uns überhaupt orientieren. In Deutschland ist dies die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), und zwar seit dem 1. April 1893 – dem Tag, an dem das Gesetz, betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung in Kraft trat. Hier wurde definiert: „Die gesetzliche Zeit in Deutschland ist die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich.“ Wie genau aber kam es dazu, dass deutsche Politiker überhaupt eine Notwendigkeit darin sahen, ein bestimmtes Zeitmaß zu kodifizieren?
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts „[stellte] [j]eder Ort oder zumindest jede Region […] die Uhren nach der jeweiligen Einschätzung des Sonnenhöchststandes“[5]; ein darüberhinausgehender temporaler Koordinationsbedarf war kaum gegeben. Das änderte sich grundsätzlich mit dem Aufkommen und dem Aufschwung der Telegrafie und der Eisenbahn, wie auch aufgrund des zunehmend weltweiten Schiffsverkehrs. (...)
In: Themenportal Europäische Geschichte, 2020, <https://www.europa.clio-online.de/essay/id/fdae-29052>.

Material/Quellenauszug:

Theodor W. Adorno und Erika Mann mit Adolf Frisé (Gesprächsleiter): Europa nach der Emigration. Erfahrungen der Zurückgekehrten (Hessischer Rundfunk, Sendung: 29.1.1958). In: Themenportal Europäische Geschichte, 2020, <https://www.europa.clio-online.de/sites/europa.clio-online/files/documents/B2020/Q_Logemann.mp3>.

Gesetz, betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung (12. März 1893). In: Themenportal Europäische Geschichte, 2020, <https://www.europa.clio-online.de/quelle/id/q63-59160>.

Das Themenportal Europäische Geschichte veröffentlicht seit 2006 unter der Adresse <http://www.europa.clio-online.de> Materialien (Textdokumente, Statistiken, Bilder und Karten), Darstellungen und Debatten zur Geschichte Europas und der Europäer/innen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Nutzerinnen und Nutzer, die gerne mit eigenen Beiträgen mitwirken möchten, werden um Vorschläge gebeten. Schreiben Sie bitte an die Redaktion <clio.europa-redaktion@geschichte.hu-berlin.de>. Über die Auswahl und Annahme von Beiträgen entscheidet das Herausgeberkollegium aufgrund eines unkomplizierten Evaluationsverfahrens. Weitere Informationen zur Zielstellung und Konzeption des Projektes finden Sie auf den Webseiten des Projektes.

Im Namen der Herausgeberinnen und Herausgeber des Themenportals wünschen ich Ihnen erfolgreiche wie auch erholsame Semesterferien.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Hannes Siegrist (Leipzig), Sprecher des Herausgeberkollegiums

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