H. G. Schröter (Hrsg.): The European Enterprise

Cover
Title
The European Enterprise. Historical Investigation into a Future Species


Editor(s)
Schröter, Harm G.
Published
Heidelberg 2008: Springer Gabler
Extent
XIV, 300 S.
Price
€ 89,95
Reviewed for Connections. A Journal for Historians and Area Specialists by
Matthias Middell, Global and European Studies Institute, Universität Leipzig

Harm Schröters vorletztes Buch behandelte die Amerikanisierung der Wirtschaft Europas [1] und für diesmal hat er sich der Beantwortung der Frage verschrieben, ob es so etwas wie ein „Europäisches Unternehmen“ gibt, wodurch es charakterisiert und hervorgebracht wurde und welche Chancen es in einer globalen Wirtschaft hat, diese eventuelle Spezifizität zu bewahren. Das Objekt des Interesses ist irrlichternd und wenige Fälle zeigen das neue Phänomen an. Es gibt Rückschläge und Stagnationen seiner Entwicklung, vor allem aber ist es durch eine Diversität gekennzeichnet, die der Erkenntnisstrategie, die auf das Proto- oder Idealtypische gerichtet ist, zutiefst zuwider läuft. Ob das einleitende Postulat „Europe is more diverse than any other region of the world of the same size” (S. V) bewiesen werden kann, sei dahingestellt, denn wie beinah üblich bei solchen Feststellungen über großregionale Besonderheiten wird auch diese Behauptung nicht komparatistisch getestet. Sie dient auch primär dazu, eine kollektive Arbeitsweise der Autoren dieses Bandes zu rechtfertigen, die Länderbeobachtungen nebeneinander stellt, wobei britische, schweizer, schwedische, norwegische, griechische, deutsche, französische, holländische, dänische und spanische Fälle näher betrachtet werden, Europa also genau genommen unter Ausschluss des ostmitteleuropäischen Raums, des Balkans und auch Russlands untersucht wird.

Jede dieser Fallstudien hat einen spezifischen Fokus, vom institutionellen Wandel bis zur Management-Kultur, so dass dem Leser den Vergleich zwischen den Beispielen teilweise erheblich erschwert ist. Dies wird jedoch aufgewogen durch eher systematische Kapitel über Standardisierung im Bereich von Technik und Technologie, die verschiedenen Covernance-Kulturen in Unternehmen großer europäischer Staaten sowie dem Blick von außen, den Takafumi Kurosawa mit einem japanisch-europäischen Vergleich beisteuert.

Diese detailreichen Einzelstudien, die im Zuge von sieben Workshops und zahlreichen weiteren Panels auf internationalen Konferenzen entstanden, und deshalb gut aufeinander abgestimmt wurden, greift der Herausgeber in einer überzeugenden Einleitung, die das Problem zu definieren versucht, und in einem Schlusskapitel auf, in dem er die Titelfrage zu beantworten sucht. Diese beiden Texte heben den Band deutlich über das Niveau üblicher Sammlungen von conference papers hinaus und machen es zu einem umsichtig argumentierenden Gesamtwerk.

Nichtsdestotrotz kann sich der Band nicht aus einem gewissen Dilemma befreien. Die Autoren folgten den verschiedenen Kriterien, nach denen man ein „europäisches Unternehmen“ bestimmen könnte und der Herausgeber muss schließlich konstatieren, dass diese Kriterien nicht logisch aufeinander abgebildet werden können.

So liegt eine beeindruckende Sammlung kenntnisreicher Essays und eine gut ausformulierte Problematisierung des Europäischen an Unternehmen in Europa vor, die sicher weitere Studien anregen wird, von denen allerdings zu hoffen bleibt, dass sie den heuristischen Wert der Frage nach dem Europäischen an Unternehmen, die immer transnationaler auftreten, im Vordergrund halten.

Anmerkung:
[1] Harm G. Schröter, Americanization of the European Economy. Comparative survey of American economic influence in Europe since the 1880s, Dordrecht 2005.

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Published on
13.05.2009
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