M. Fontana: Matteo Ricci

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Title
Matteo Ricci. Un jésuite à la cour des Ming


Author(s)
Fontana, Michela
Published
Extent
456 S.
Price
€ 29,50
Rezensiert für 'Connections' und H-Soz-Kult von:
Christoph Nebgen, Johannes Gutenberg Universität Mainz

Daß sich der Todestag des jesuitischen China-Missionars Matteo Ricci im Jahr 2010 zum vierhundertsten Male jährte, wurde zum Anlaß für eine große Zahl an Ausstellungen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu dieser Pioniergestalt der chinesisch-europäischen Kulturbegegnung. Das französische Verlagshaus Salvator, kein Fachverlag für historische Literatur, sondern von seinem Selbstverständnis her ein dezidiert christlich orientierter Verleger, fügte in diesem Zusammenhang seiner Reihe „Biographies“ die besprochene Monographie hinzu. Daß sie mittlerweile bereits in dritter Auflage erschienen ist, spricht zum einen für die gute Lesbarkeit des Werks, zum andern aber auch für das bisher festzustellende Manko an aktuellerer Literatur zu Ricci in französischer Sprache. So verwundert es auch nicht, daß es sich um eine Übersetzung aus dem Italienischen handelt. 2005 war das Buch der diplomierten Mathematikerin und als Journalistin tätigen Michela Fontana bei Mondadori in Mailand erschienen. Sie spannt den Bogen von einer allgemeinen Vorstellung des Jesuitenordens und seines Profils über die historische Ausgangslage der missionarischen Bemühungen der Europäer in Asien bis hin zu einem Ausblick auf die Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Ihre Quellenbasis wird vor allem durch die von Pasquale D’Elia SJ zwischen 1942 und 1949 herausgegebenen Fonti Ricciane gebildet, womit eine stark europäisch geprägte Sicht auf die Geschehnisse unvermeidlich wurde.

Es ist also im tieferen Sinne keine neuer Forschungslage zu Ricci entstanden, aber ein sehr gut lesbares, solides Buch, das insbesondere die Modernität der von Ricci geleisteten Kulturkontakte würdigt und diesen einen Stellenwert für aktuelle kulturelle Austausch- und Begegnungsprozesse beigibt. Stärken der Arbeit liegen sicherlich insbesondere im Bereich der Betrachtungen zu den astronomischen und mathematischen Themen. Hier kann die Autorin als studierte Mathematikerin wissenschaftsgeschichtliche Besonderheiten mit großer Kompetenz erklären und deren Relevanz für das große Interesse, das in China an Ricci und seinen mathematischen und astronomischen Kenntnissen und Fähigkeiten bestand, einordnen. Dies geschieht insbesondere im sechsten Kapitel des Buches, das den programmatischen Titel „Confucius rencontre Euclide“ trägt und in dem Fontana die Studien Riccis unter seinem Lehrer Christophorus Clavius erläutert. Zahlreiche, überwiegend farbig gestaltete Abbildungen, bilden eine anschauliche Ergänzung zu den plastischen Schilderungen der Autorin. Für den Leser, der auch eine stärkere Berücksichtigung der chinesischen Perspektive wünschen sollte, kann man als ergänzende Empfehlung zu Fontanas Biographie das jüngste Werk von Ronnie Po-Chia Hsia nennen (A Jesuit in the Forbidden City. Matteo Ricci,1552-1610, Oxford 2010), der zwar auch die Fonti Ricciane benutzte, aber immer wieder durch chinesisches Quellenmaterial zu ergänzen weiß. Nichtsdestotrotz bietet Fontana einen guten biographischen Überblick in ansprechender Sprache und klarer Gliederung. Eine Übersetzung ins Englische liegt bereits vor, die Veröffentlichung einer weiteren ins Chinesische ist für das nächste Jahr geplant.

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Published on
13.03.2012
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Diese Rezension entstand im Rahmen des Fachforums 'Connections'. http://www.connections.clio-online.net/
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